Also mal ernsthaft: Rud­ern? Über den Atlantischen Ozean? Von Portugal in die Karibik? Eine Frau, völlig allein und ohne Begleitboot in haushohen Wellen und schweren Stürmen? 3500 Seemeilen weit mehr als 6500 Ki­lo­me­ter, viele Monate lang und oh­ne Un­ter­bre­chung, ohne einen trockenen Fetzen Stoff am Leib? In Kälte und Hitze. Am 23. November 2011 ist es soweit!: Drei Paar Karbonruder, kein Segel, kein Motor. Verrückt? Eine gewaltige Herausforderung liegt vor mir, sicher doch. Ich treibe mit der Peitsche ein Projekt voran, welches die Grenzen der menschlichen Leidensfähigkeit – diesen dünnen Weidezaun da am Horizont – auf eine harte Probe stellen wird. Intensivste, jahrelange Vorbereitung, große Erfahrung, leistungsfähigstes Equipment = ein Extrem(st)projekt, eine extreme Frau. Aber verrückt? Lebensmüde? Nein, natürlich nicht! Und ganz sicher bin ich auch nicht auf den Kopf gefallen. Aber warum zur Hölle dann über den Atlantik rudern? Ich glaube, es ist wirklich so einfach: Ich tue das, weil ich es tun kann. Ich glau­be, das Le­ben ist wert­los, so­lan­ge wir nicht da­mit ma­chen kön­nen, was wir wol­len, oder eben mei­nen tun zu müs­sen … und das ist nunmal mein Traum. Natürlich könnte ich den sezieren und zer­tei­len, was Men­schen ja im­mer tun, wo Ih­nen der Mut fehlt – ich könn­te aber auch ein­fach hart dar­an ar­bei­ten, ihn um­zu­set­zen, könnte mich verwirklichen und im Gutem wirken. Und das ist alles was ich tue.

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Ich möchte mit dieser Kampagne etwas im Meeresschutz bewegen, möchte anrudern gegen das Verdrängen, gegen Zerstörung und Lobbyismus. Ich möchte diese Welt ein ganz kleines Stückchen verändern , möchte Menschen dazu motivieren aufzustehen und nicht vor großen dunklen Wänden auf die Knie zu fallen. Vor haushohen Wellen, die uns alle irgendwann überspülen. Dieses Leben ist ein Geschenk, dass wir auspacken sollten und so genieße ich jeden Tag in diesem Projekt, genieße das Gefühl mich frei im Strom bewegen zu können – mit ach so winzigen Rudern auch gegen den Strom, wenn’s denn sein muss.

Natürlich weiß ich was mich erwartet. Ganz genau sogar. Ich bin nicht waghalsig, leichtsinnig oder verrückt – und nach fast 10 Jahren, die ich mich in dem Projekt “Ozeanrudern” vergraben habe, bin ich bereit die Herausforderung anzunehmen. Ich suche keine Erleuchtung, erwarte nicht, dass meine Welt nach vier oder fünf Monaten eine komplett andere ist. Obgleich ich mir natürlich erhoffe, dass ich sie ein wenig zu verändern imstande bin – dass ich mit dieser Aktion Menschen für unsere Mission zum Umwelt- und Meeresschutz begeistern, sie mit auf diese Reise nehmen kann. Ich möchte diese Chance ergreifen, möchte die Aufmerksamkeit und die ungewöhnliche Perspektive nutzen, um damit etwas zu bewegen.

Wenn wir Wind, Wetter und Wellen jetzt noch in die Rechnung übernehmen, dann wird deutlich, dass ich nicht mit einem Holzboot darüber komme, dass ich kentern werde und zahlreichen anderen Gefahren die Stirn bieten muss. Also benötige ich ein außergewöhnliches, durchkenterndes Hightech-Ruderboot. Und dieses möchte ich euch auf den nächsten Seiten vorstellen. Will mich daran versuchen, euch von der soliden Planung zu überzeugen, und trotzdem große Augen in eure Gesichter zaubern. Schwieriger Spagat, nunja. Natürlich ist es eine gewaltige Aufgabe, aber es ist eben auch eine Herausforderung, der man sich mit optimaler Vorbereitung, bestem Equipment – und, ungleich wichtiger: einem unschlagbaren Team im Rücken stellen kann. Und all dies weiß ich an meiner Seite – und werde euch davon überzeugen. Ich hoffe ihr bleibt mir über die nächsten Monate gewogen, begleitet mich im Blog oder in den Sozialen Netzwerken durch die Vorbereitung, und in Kürze, in Echtzeit per Satelliten-Tracker und Blog, über den Ozean … begleitet und unterstützt mich bei diesem außergewöhnlichen Projekt, bei dieser außergewöhnlichen Mission zum Schutz unserer Meere und ihrer Bewohner.